Autor: Rudolf R. Brunner  
Sonntag, 14. November 2010 20:00
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Hans Klaffl: Restlaufzeit: Unterrichten bis der Denkmalschutz kommt - 13.11.10, Schlachthof München

    Sehr geehrter Herr Klaffl,

 

nach dem Besuch Ihrer gestrigen Vorstellung drängt es mich, Ihnen Rückmeldung zu geben. /span>

 

Gratulation zu Ihrer musikalischen Vielseitigkeit sowie Ihrer Fähigkeit Bilder zu zeichnen und pointiert vorzutragen.

Von mir als Highlights empfunden das Pausenlied, das Lied über die Zeugniscodes und Herr Gütlich.

 

Habe ich über weite Strecken der ersten Hälfte Ihres Programmes noch über Ihre kabarettistisch überzeichneten Lehrerpersönlichkeiten und deren „Macken“ herzlich gelacht, ist mir das Lachen bereits zu Beginn des zweiten Durchganges bei Ihrer - aus meiner Sicht - sehr grob geschnitzten Hausmeisterpersönlichkeit gründlich vergangen; nein, weder ich noch ein Familienmitglied gehören zu diesem Berufsstand. Verdorbenes Essen, als Vergeltung beziehungsweise kriminelle Handlungen zur Durchsetzung von Wünschen mit dem Berufsstand des Hausmeisters in Zusammenhang zu bringen, übersteigt die künstlerische Freiheit nach meinem Geschmack bei weitem.

 

Ihre weiteren Ausführungen wie zum Beispiel zum IQ von Schülern (orientiert sich an deren Schuhgröße), lassen mich auf ein sehr geringschätzendes Schülerbild schließen. Darüber hinaus erinnern sie mich in fataler Weise an den Sarkasmus derjenigen Gymnasiallehrer, die schon vor 40 Jahren wohl keinen anderen Weg gefunden haben um sich Schülern gegenüber kritisch mitzuteilen. So wurden und werden Schüler rhetorisch mit Stilmitteln mundtot gemacht, denen sie in diesem Alter noch gar nicht gewachsen sein können – welch ein Triumph! Dieses „Abledern“ vermeintlich nicht adäquat gebildeter Menschen und Berufsgruppen, mit denen umgehen zu müssen, eigentlich nur lästig erscheinen muss, habe ich nach der Pause als zentrale, wenn auch gut getarnte, Aussage Ihrer Darbietung erlebt. In solchen Sphären schwebend erlaubt man sich dann auch schon mal einen verbal entgleisenden Ausflug in den Genitalbereich. Macht ja nichts.

 

Gerade Grundschullehrern gegenüber würde ich mir eine wertschätzende Haltung wünschen; schulseitig sind sie schließlich diejenigen, die Schüler zur Gymnasialreife formen und begleiten. Für die wertvolle Grundsteinlegung in Sachen Werte und Umgangsformen, gebührt den Lehrerinnen und Lehrern höchste Anerkennung. Auch wenn die Arbeit mit Schülern nach der Grundstufe sicher nicht immer leicht ist – es könnte noch schlimmer sein!

 

Schade, mit vielen Ihrer Pointen machen Sie diejenigen, die in breiter Öffentlichkeit nicht ansatzweise die Unterstützung genießen, die sie sich täglich verdienen, zu Deppen – und das als Insider. Bestürzend finde ich dabei das kritiklose Belachen platter Erniedrigungen durch zahlreiche Anwesende des abgewatschten Berufsstandes.

 

Nutzen Sie doch bitte Ihr großes kabarettistisches musikalisches und komödiantisches Potenzial, um die tatsächlichen Missstände auf’s Korn zu nehmen und nicht um das Nest zu beschmutzen, in dem Sie sich, Ihrem Lebenslauf nach zu schließen, bemerkenswerterweise noch immer tummeln.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Rudolf R. Brunner

(kein Lehrer)


 

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