Autor: Fritz Priemer  
Freitag, 08. April 2011 05:59
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Lang Lang am 06.04.2011, nicht nur ein Klavierkonzert

Sehr geehrter Herr Marcel Jansons,

ich verstehe gar nicht, was sie haben! Die Akustik der Philharmonie ist doch grandios! Gerade gestern habe ich mich wieder davon überzeugen können, als Herr Lang Lang wieder einmal in ganz außergewöhnlicher Art und Weise mit seinem Flügel verschmolz und sich ein akustisches Feuerwerk in der Philharmonie entlud, so dass mir immer noch ganz schwindlig ist vor Begeisterung. /span>

Aber nun Spaß beiseite. Hochverehrter Herr Jansons, ich kann das natürlich überhaupt nicht beurteilen.

Warum ich meinen Leserbrief so begonnen habe, liegt daran, dass ich immer noch sehr beeindruckt davon bin, dass ich, der ich im Block H in der elften Reihe gesessen bin, aufgrund dieser doch erstaunlichen Akustik in der Philharmonie einerseits und der hemmungslosen Art und Weise des Publikums andererseits, sich ihrem Auswurf bzw. Hustenreiz eher mehr als weniger geräuschvoll zu entledigen, ohne weiteres in der Lage war, auch bei der etwas älteren Dame in der ersten Reihe im Block A noch diagnostizieren zu können, an welcher Erkrankung der oberen Atemwege diese Dame gelitten hat.

Herr Lang Lang setzte unfassbar gefühlvolle Akzente, auch in Form von wohl dosierten Künstlerpausen, gnadenlos durchbrochen von „saftigem“ Donnerhall einer erkältungsbedingt überlagerten Raucherbronchitis, die im Übrigen in der 20 minütigen Pause auf das Heftigste "gepflegt" wurde.

Selbst Herr Lang Lang musste, um seinen Unmut darüber abzubauen, die wirklich hartnäckige Geräuschkulisse der kurzfristig in ein Lungensanatorium umfunktionierten Philharmonie nachahmen und in sein Schweißtuch husten.

Der Höhepunkt des Siechtums war am Beginn der Interpretationen Lang Langs zu Franz Schubert erreicht, als er nach dem Adagio die Künstlerpause möglicherweise etwas zu lange ausdehnte und dies das Publikum, ich meine natürlich das lungenkranke, quittierte durch eine sperrfeuerähnliche Behustung des Künstlers, zusätzlich unterlegt mit einem anschwellenden weißen Rauschen.

Dies führte bei einem Mitleidenden, der zwei Reihen vor mir saß, zu einem unterdrückten, aber dadurch umso heftigeren Lachkrampf (es schüttelte ihn schrecklich durch), von dem er sich erst etwa nach 3 min wieder erholte, als der Künstler, der mittlerweile wieder weiterspielen durfte, ihn doch wieder in seinen Bann ziehen konnte.

Dieser doch krasse Gegensatz zwischen einerseits der Darbietung höchster Klavierspielkunst und andererseits hemmungsloser wie grausiger Behustung mag einen ganz besonderen Spannungsbogen erzeugen, auf den ich allerdings, und offensichtlich viele der Anwesenden gerne verzichtet hätten.

Im tosenden Beifall mit Standing Ovations für Herrn Lang Lang waren dann die Huster Gott sei Dank nicht mehr zu hören.
 

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