Autor: Reinhard van der Does  
Freitag, 09. März 2012 10:25
melden Drucken E-Mail

GEZ versus Demokratie

Die neue umfassende Zwangsabgabe für ARD, ZDF und Co. ist ein weiteres schönes Beispiel für den Unterschied zwischen einem 'demokratisch legitimierten' Beschluss und dem Willen des Volkes. ARD, ZDF und Co. haben einen wenig konkretisierten 'Auftrag' und bieten nach eigener Einschätzung laut Anschreiben und in kompromissloser Fortsetzung des Prinzips Eigenlob ist die beste Kritik ein 'hochwertiges, unabhängiges und vielfältiges' Programm, jetzt gar noch ein 'zeitgemäßes Finanzierungsmodell'. Sicherlich bieten die Öffentlich-Rechtlichen das hochwertigste Werbeprogramm, ob sie aber unabhängig sind, muss bezweifelt werden. Ich halte sie nach wie vor für Sprachrohr und Bühne der Politik. Hinsichtlich Vielfältigkeit und Ausgewogenheit der Thematik muss man stattdessen oft Einfältigkeit und Einseitigkeit konstatieren. Wir hatten schon oft: 'Abschreibungskünstler', hatten wir auch schon: 'die lustigsten Tricks des Finanzamts'? Man versucht, Internetsurfern (Trittbrettfahrern) in die Welle zu spucken, den kostenlosen Genuss schmackhafter öffentlich-rechtlicher Gerichte zu unterbinden. Wer zwingt ARD, ZDF und Co., sich im Internet zu tummeln – der Auftrag? Würde die Meinungsvielfalt im Netz an der Abwesenheit der Öffentlich-Rechtlichen kranken? Warum kein Zwangsbeitrag für Zeitungsverlage, die sich nicht vor Zweitlesern eines nur einmal bezahlten Exemplars schützen können. Weitere Interessenten, die 'Aufträge' für sich reklamieren könnten wären z.B. IHK (sorry, hier hat man das zeitgemäße Finanzierungsmodell ja schon) oder ADAC. Zurück zur Qualität: das Experiment Zwangsabgabe beinhaltet immerhin (da ökonomisch betrachtet: Freifahrtschein) die Chance, zu ermitteln, ob eventuell doch noch a bisserl Luft nach unten drin ist. Zum demokratisch legitimierten Prozess: Alle, die sich über Parteiengezänke ärgern, dürften sich am Schulterschluss beim Ansetzen der Schröpfköpfe erfreuen. Selbst die FDP kann das Stigma der Klientelpartei abstreifen, da trotz angestrebter Aufkommensneutralität die Abgabe bei entsprechender Betriebsgröße leicht mal auf das Fünffache steigt - bei weiterhin fehlender Nutzung des Zwangsangebots. Betriebsangehörige haben sogar die Möglichkeit, das Zwangsangebot zweimal nicht zu nutzen (betrieblich und privat), da ist das separate Inkasso nur folgerichtig (weil zeitgemäß). Wenn man den tatsächlichen Nutzern wenigstens mal ein Fußballspiel böte mit Hintergrundgeräuschen, aber ohne Kommentator, dann dürften sie wenigstens selbst entscheiden, ob Leistung abgerufen wurde, wann unstrittig die Vorentscheidung gefallen ist und wie es mit der Körpersprache in der Rückwärtsbewegung nach einer Standardsituation beschaffen war.
 

Kommentar hinzufügen

Name:
Ihre Webseite:
Betreff:
Kommentar:
Wollen Sie automatisch über neue offene Briefe informiert werden? Abonnieren Sie unseren RSS-Feed  n e u e s t e  B r i e f e.