Autor: GRÜNE JUGEND Bundesvorstand  
Montag, 21. Juli 2008 11:53
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Offener Brief der GRÜNEN Jugend an Hubert Kleinert

Lieber Hubert Kleinert,

Du hast Dich in der heutigen Ausgabe des Magazins DER SPIEGEL praktisch für eine Neupositionierung der Grünen bezüglich der Restlaufzeiten von Atomkraftwerken ausgesprochen. Dies haben wir mit Entsetzen zur Kenntnis genommen und möchten Dir hiermit öffentlich erläutern, warum wir diesen Weg für absolut falsch und gefährlich halten. Sowohl der Grünen Partei als auch der Sache an sich hat Deine Einlassung massiv geschadet - das hätten wir von einem so honorablen Mitstreiter wie Dir nicht erwartet.
Wie Du sicher mitbekommen hast, traten in den beiden einzigen Endlagern für Atommüll in Deutschland - Morsleben und Asse II - bisher eine Reihe von schwerwiegenden Problemen auf. Eine sichere Lagerung scheint in beiden Fällen - trotz lediglich schwach- und mittelradioaktivem Müll - in weiter Ferne, wenn nicht gar unmöglich.
In der Asse bei Wolfenbüttel ist nach derzeitigem Erkenntnisstand sogar ein Absaufen des gesamten Endlagers möglich. Dies wäre eine Katastrophe für Mensch und Umwelt. Bislang gibt es keinerlei Lagerungsmöglichkeiten, die eine Sicherheit über Jahrtausende garantieren. Die Asse zeigt, dass dies nicht mal über wenige Jahrzehnte möglich ist - wurde doch die Sicherheit in den Anfangsjahren „garantiert”. Jedes Jahr, in dem ein Atomkraftwerk länger läuft, wird damit zur Gefahr. Vollkommen egal, wie modern die Atommeiler sind.

Du sprichst in Deinem Interview im SPIEGEL von einer „rationalen Risikoabwägung”, die längere Laufzeiten von moderneren „Kernkraftwerken” diskutabel machen würde. Wir als Grüne haben jahrelang dafür gestritten, dass das unkalkulierbare Risiko der Atomkraft endlich ernst genommen wird. Insbesondere mit Hinblick auf die oben angerissene Frage der Endlagerung, sind Deine Äußerungen nicht nur in der Sache falsch, sondern schaden direkt der Partei und ihrem Anliegen, für die sie gewählt wurde und wird. Nicht nur in der GRÜNEN JUGEND sondern in der gesamten Partei stößt diese offene Kapitulation vor der Atomlobby auf absolutes Unverständnis!

BÜNDNIS 90/DIE GRUÜNEN entstammen zu einem erheblichen Anteil direkt der Anti-Atom-Bewegung. Seit über 30 Jahren kämpfen die Grünen für einen Ausstieg aus der Atomenergie und haben nach vielen Jahren der politischen Auseinandersetzung und unter herben Verlusten den mittlerweile von allen als Erfolg akzeptierten Atomkonsens errungen. Der Erfolg der Grünen war und ist untrennbar auch mit der starken Politisierung der Bevölkerung bei der Frage nach dem Atomausstieg verbunden. Wir können nicht verstehen, was Dich dazu bringen konnte, im SPIEGEL einen Grünen-internen Streit über die Frage der Laufzeiten zu inszenieren. Denn mit einer Debatte um das Abrücken vom Atomkonsens würdest Du auf jedem Parteitag kläglich scheitern. Zu Recht. Denn die unsäglichen Argumente der Energiekonzerne sind verkürzt und zutiefst interessengeleitet.

„Mehr Atomkraft” ist alles andere als eine Klimaschutzmaßnahme. Es ist schlicht das Herauszögern der jetzt und hier notwendigen Energiewende zu mehr Energieeinsparung und -effizienz. Vollkommen ausgeblendet werden die zahlreichen Störfälle der letzten Jahre, ja auch der letzten Monate. Weggelassen werden auch die Milliarden an Steuergeldern, die jährlich etwa durch EURATOM, die Endlagersucher und die Castor-Transporte in den Atomstrom fließen. Dieses Geld muss in erneuerbare Energien gesteckt werden!

Mit der GRÜNEN JUGEND ist ein Abrücken vom beschlossenen Atomausstieg in Richtung längerer Laufzeiten nicht zu machen. Wir halten es für absolut notwendig, geschlossen für konsequenten Klimaschutz einzutreten, ohne dabei auf die dreckige und gefährliche Atomenergie zurückzugreifen. Deshalb werden wir uns in der Partei und auch in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung offensiv gegen jegliche Bestrebungen zu längeren Laufzeiten stellen. Wir würden uns freuen, wenn auch Du bald wieder an unserer Seite stehst. Argumente hierfür findest Du bei der Bundestagsfraktion und in unserer Anti-Atomkraftbroschüre.

Mit atomkraftfreien Grüßen,

GRÜNE JUGEND Bundesvorstand


Kontakt: bundesvorstand@gruene-jugend.de
Jan Philipp Albrecht (Sprecher) | Handy: 0175-1656698
www.gruene-jugend.de
 

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