Autor: Vorstand Landesverband der Gehörlosen Hessen e.V.  
Donnerstag, 26. Juni 2008 14:30
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Offener Brief an die Stadt Frankfurt am Main

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind ein Verband mit 21 Mitgliedervereinen in Hessen und vertreten die Interessen der Gehörlosen in Hessen. Unsere Schwerpunkte sind die Verbesserung der Lebensqualität und die Forderung für mehr Rechte der Gehörlosen. Dieses betrifft die Sprache, Bildung und Kommunikation. Unser Sitz und das Büro ist im Gehörlosen- und Schwerhörigenzentrum Frankfurt und wir arbeiten jeden Tag in diesem Haus. Warum wir einen offenen Brief schreiben wollen? Es geht uns um den Zustand der Frankfurter Stiftung für Gehörlose und Schwerhörige und um den Umgang mit den Vereinen und Gehörlosen im Haus. Wir können die Sachlage nicht mehr länger mit ansehen und können nicht verantworten, dass das Gehörlosen- und Schwerhörigenzentrum von Hörgeschädigten mit der Stadt Frankfurt zusammen aufgebaut worden ist und heute die Lage des Gehörlosen- und Schwerhörigenzentrums düster ist.

Das Gehörlosen- und Schwerhörigenzentrum wurde von der Stadt Frankfurt und mit Unterstützung der Vereine und der Gehörlosen in Frankfurt gemeinsam gebaut. Das Ziel war, eine Anlaufstelle für Gehörlose und Vereine zu haben. Die Gehörlosen und Vereine im Haus sollen Veranstaltungen planen, Projekte für Gehörlose entwickeln und organisieren und weiterhin den Zustrom der Besucher ins Zentrum pflegen.

Sowie die Gehörlosen als auch die Vereine im Haus sollten auch die Möglichkeit haben miteinander die Zukunft des Gehörlosenzentrums zu gestalten.
Dafür wurde die ARGE -Arbeitsgemeinschaft Frankfurt zur Förderung der Gehörlosen und Schwerhörigen e. V. -gegründet um zur Gestaltung und Entwicklung des Zentrums beitragen zu können.

Wie sieht die Situation heute aus? Bei den Gestaltungsmöglichkeiten und bei Planungen für die Zukunft des Gehörlosenzentrums haben heute die ARGE Frankfurt zur Förderung der Gehörlosen und Schwerhörigen e. V., die Vereine im Haus und auch die Gehörlosen keinen Einfluss mehr darauf.

Wir und die anderen Vereine stoßen immer wieder auf taube Ohren oder es werden Vorschläge zermürbt. Die Interessen und Vorschläge von Gehörlosen und Vereinen werden heute nicht mehr von der Frankfurter Stiftung für Gehörlose und Schwerhörige wahrgenommen.

Wir kämpfen mit der ARGE Frankfurt zur Förderung der Gehörlosen und Schwerhörigen e. V. und den Vereinen im Haus schon jahrelang für eine Einrichtung für Jugendliche, das Zentrum soll zu einer Anlaufstelle für Jugendliche werden. Wir wollen den Jugendlichen Bildung, Soziales und Identität weitergeben. Bis heute haben wir keinen Erfolg erzielt und die Frankfurter Stiftung für Gehörlose und Schwerhörige baut zurzeit die Kegelbahn ab und baut diese zu einem Museum für Gehörlose um. Die große Mehrheit ist für einen Jugendtreffpunkt, es wurde wieder mal nicht gefragt und unsere Vorschläge sind wieder nicht angenommen worden.

Wir sehen die Gefahr in ferner Zukunft, dass die Gehörlosen keine Motivation mehr haben, in Vereinen zu arbeiten und zur Weiterentwicklung der Gehörlosen beitragen zu können. Dieses Gehörlosen- und Schwerhörigenzentrum ist zurzeit sehr schlecht besucht und die Gehörlosen können sich mit dem Haus nicht identifizieren. Viele sagen, warum sollen wir mit im Verein arbeiten, wenn wir bei der Gestaltung und der Entwicklung der Vereine im Haus und im Gehörlosen- und Schwerhörigenzentrum nicht mitwirken können und diese Situation der Frankfurter Stiftung für Gehörlose und Schwerhörige sich nicht ändern wird. Es besteht die Gefahr, dass das Gehörlosen- und Schwerhörigenzentrum langfristig keine Anlaufstelle mehr für Hörgeschädigte sein wird.

Haben die Gehörlosen und Schwerhörigen keine Rechte mehr?

Daher setzen wir uns für die Zukunft der Gehörlosen und der Vereine ein, geben ein Startsignal, um eine Verbesserung der Situation in der Zukunft zu ermöglichen.

Unsere Forderungen sind:
  • Einen runden Tisch zum Gespräch mit der ARGE Frankfurt, Stifter von der Frankfurter Stiftung für Gehörlose und Schwerhörige, Vertreter der Stadt Frankfurt und der Frankfurter Stiftung für Gehörlose und Schwerhörige, um diesen Sachverhalt zu klären und was wir dieser Sache in Zukunft besser machen können.
  • Im Pflegamtausschuss für die Frankfurter Stiftung für Gehörlose und Schwerhörige soll ein Gehörloser vertreten sein. Es soll der Vorsitzende der ARGE Frankfurt die Interessen der Gehörlosen und Schwerhörigen vertreten.
  • Dass die Vereine im Haus bei den Gestaltungsmöglichkeiten und der Entwicklung Mitspracherechte haben, so wie die ARGE Frankfurt auch.
  • Mehr Transparenz der Frankfurter Stiftung für Gehörlose und Schwerhörige.
  • Wir möchten, dass der Nachfolger von Herrn Buchenauer eine hörgeschädigte Person mit Gebärdensprachkompetenz ist und dass eine bundesweite Stellenausschreibung gemacht werden soll. Es gibt genug geeignete Personen bundesweit, die hörgeschädigt sind und Gebärdensprache ganz gut beherrschen können.

Wenn diese Forderungen umgesetzt werden können, wäre das ein großer Schritt für uns alle, und es kann sehr zur Verbesserung der Entwicklung des Gehörlosen- und
Schwerhörigenzentrums Frankfurt beitragen, wenn alle mitwirken können.

Der Vorstand
 

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