Autor: Uli Ottensmeyer  
Donnerstag, 18. Dezember 2008 14:44
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Energieeffizientes Verkehrswesen: Offener Brief an die Bundeskanzlerin

Steuerpolitik, Hubraumsteuer, Effizienz von Fahrzeugantrieben, Extreme Wissensmängel in breiten Bevölkerungsschichten in Sachen Energie.


Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel,

Mit großer Freude habe ich wahrgenommen, dass wir mit Ihrer Person über eine nun für Klimaschutz zuständige Spitzenpolitikerin im eigenen Land verfügen, die als Physikerin auch sehr viel Fachwissen mit einbringt. Es geht beim Klimaschutz auch um einen extrem wichtigen, riesigen Wachstumsmarkt.

Leider habe ich die Erfahrung machen müssen, dass die meisten Politiker und Journalisten nicht einmal ein Kilowatt von einer Kilowattstunde unterscheiden können. Das mag auch daran liegen, dass für Energie zuviele Einheiten gebräuchlich sind: Kalorie, Joule, Kilowattstunde u.a. samt deren Ableitungen in Kilo, Mega usw..

Was Viele verblüfft: Mit einer Kilowattstunde, dem Energieäquivalent von ca. 0,1 Liter Benzin, kann man eine Tonne 367 m hoch heben (1 Ws = 1 Nm) oder der Mensch gibt eine Wärmeleistung von durchschnittlich ca. 100 Watt ab, braucht pro Tag etwa 2,4 kWh oder soviel wie ein viertel Liter Benzin.

Mir geht es um Energieeffizienz und Wirkungsgradketten speziell im Verkehrswesen.
 
In dem Aufsatz "Lieben Sie Abgas?", den niemand abdrucken wollte außer der Fachzeitschrift "Solarmobil" (Nr. 45, Dez. 01) steht es deutlich und krass:

"Überspitzt gesagt: Wir fahren Auto, wie wenn wir eine Armbanduhr mit einem Rasenmähermotor betreiben würden, einschließlich Lärm und Gestank."

Ursache: Unsere für hohe Geschwindigkeiten ausgelegten Fahrzeuge werden besonders im Stadtverkehr nur im untersten Leistungsbereich betrieben. Die Verbrennungsmotoren verbrauchen fast die ganze Energie nur um sich selbst zu drehen und produzieren nur überflüssige Wärme. Ausnahme: der nur wenige Sekunden dauernde Beschleunigungs-vorgang.
Außerdem sind die Fahrzeuge nicht in der Lage, beim Bremsen oder Gefälle- Fahren die Energie zurückzuspeisen. Der energetische Wirkungsgrad von Benzinfahrzeugen liegt im Stadtverkehr deshalb bei lächerlichen 2 bis 5 %. Abgesehen davon sind die Fahrzeuge inzwischen viel zu schwer.

In dem anliegenden Aufsatz ist der effektivste Fahrzeugantrieb beschrieben, der denkbar ist. Kein Hybrid, sondern der Denkansatz ist, dass auch scharfe Betriebsbremsungen rückgespeist werden, und mit moderner Elektronik kann man damit auch wieder beschleunigen. Das bedeutet für sehr viele Betriebsbedingungen das Aus für Verbrennungsmotoren als Direktantrieb.
Wenn die Fahrzeuge stehen, dienen sie als Solarstromerzeuger mit eigenem Energie-speicher, die nachts auch Windstrom laden können.
Auf Seite drei zeigt das Diagramm, wie unglaublich der Leistungsbedarf mit zunehmender Geschwindigkeit steigt.  Ein normaler Pkw benötigt für konstant 50 km/h in der Ebene  ca. 3,5 kW, bei 300 km/h um 275 kW. Gerade sehr schnelle Fahrzeuge sind deshalb im normalen Fahrbetrieb besonders uneffizient.
Deshalb ist ein technisches Geschwindigkeitslimit von 120 bis 130 km/h durchaus sinnvoll, Antrieb und Bremsen werden kleiner und leichter.
Auf der letzten Seite sind Fahrzeugantriebe verglichen.

Nur das "Pärchen" Alternativer Energieerzeuger - Speicher sowohl bei der Stromerzeugung als auch beim Warmwasser / Heizungssystem macht Sinn.
Wer hier die besten Speicher baut, dem gehört demnächst die Welt. Forschungen hierzu sollten auch in Deutschland mit Nachdruck betrieben werden.
Als weiteres müssen Häuser isoliert werden, eine Riesenaufgabe für Architekten, Bauphysiker und Handwerker.
Einen äußerst wirkungsvollen Fahrzeugantrieb gibt es also schon, allerdings musste ich die Fahrzeuge selber bauen. Den von mir konzipierten Antrieb (kein Hybrid) halte ich für den effektivsten überhaupt. Für größere Leistunsbereiche fehlen aber leistungsfähige, langlebige und preiswerte Akkus, um deren Entwicklung sich die Solarmobilszene seit gut 20 Jahren bemüht.

Wenn die Themen bei Ihnen auf Interesse stoßen, würde ich mich sehr freuen, Ich möchte  in diesem Bereich auch gern mitarbeiten und meine Erfahrungen weitergeben. Sehr wesentlich sind dabei profunde Kenntnisse über Verbrennungskraftmaschinen, meinem Haupt- Studienfach an der TU Hannover und Kenntnisse über Wirkungsgradketten.

Es wird hiermit auch angeregt, die Mineralölsteuer noch deutlich anzuheben und alle Verkehrsträger zu erfassen, die Mehrwertsteuer auf Handwerksleistungen zu halbieren oder ganz zu streichen, Emissionen beim Transport von Importgütern steuerlich zu erfassen.

Mit freundlichen Grüßen,

Hans-Ulrich Ottensmeyer.

07. März 2007

Dieser Brief sowie anderes zum Thema Verkehrswesen ist auch auf meiner Website http://www.solarbahn.de zu finden.
 

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